Bildungszeit als Chance
In einer Arbeitswelt, die sich ständig verändert und in der Konflikte zum Alltag gehören, gewinnt Weiterbildung zunehmend an Bedeutung. In Rheinland-Pfalz ist dafür seit dem 11. Februar des Jahres ein Gesetz in Kraft, bei dem der Name Programm ist: Das Bildungszeitgesetz. Vielerorts noch als „Bildungsurlaub“ bekannt, beschreibt Bildungszeit heute die gesetzlich geregelte Möglichkeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sich für anerkannte Weiterbildungen von der Arbeit freistellen zu lassen – bei fortlaufender Lohnzahlung.
Diese Regelung eröffnet nicht nur individuelle Entwicklungschancen, sondern stärkt auch langfristig Unternehmen und Organisationen. Denn wer sich weiterbildet, bringt neue Kompetenzen, frische Perspektiven und mehr Handlungssicherheit in den Berufsalltag ein.
Ein aktuelles Beispiel für ein solches Angebot kommt aus dem Landkreis Altenkirchen: Die Kreisvolkshochschule Altenkirchen (KVHS) veranstaltet -neben weiteren Programmen- vom 5. bis 9. September eine fünftägige Bildungszeit im Hotel Glockenspitze in Altenkirchen. Im Mittelpunkt steht dabei ein Thema, das in nahezu allen Lebens- und Arbeitsbereichen eine zentrale Rolle spielt – der konstruktive Umgang mit Konflikten.
Konflikte verstehen und lösen lernen
Unter dem Titel „Aus- und Weiterbildung für Mediator*innen – Verbessern Sie Ihre Konfliktfähigkeiten“ richtet sich das Angebot sowohl an Einsteiger als auch an bereits ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren. Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis von Konfliktdynamiken zu entwickeln und wirksame Lösungsstrategien zu erlernen.
Im Zentrum steht hierbei die kognitive Mediationstheorie. Sie versteht Mediation nicht nur als Moderation eines Gesprächs, sondern als strukturierten Erkenntnisprozess. Dieser Ansatz zielt darauf ab, Denk- und Wahrnehmungsmuster der Konfliktparteien zu verändern, um nachhaltige Lösungen zu ermöglichen. Gerade in Zeiten zunehmender Komplexität, in denen Konflikte oft eskalieren oder festgefahren erscheinen, bietet dieser Zugang neue Handlungsspielräume.
Die Schulung verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit praktischer Anwendung. Vorträge, Übungen und Rollenspiele ermöglichen es den Teilnehmenden, das Gelernte unmittelbar zu erproben und zu reflektieren. Dabei profitieren sie auch von der Expertise des Dozenten Arthur Trossen, der maßgeblich die umfassende Theorie zur integrierten Mediation zusammengestellt hat, wobei viele benachbarte Disziplinen aus den Bereichen Psychologie, Recht, aber auch Biologie gesichtet und in den Kontext gebracht werden mussten. Zuletzt und für die Aus- und Weiterbildung besonders bedeutsam: Arthur Trossen hat diese theoretischen Erkenntnisse im praktischen Einsatz in teils hocheskalierten Konflikten weltweit angewandt und weiterentwickelt.
Weiterbildung mit Mehrwert – auch finanziell
Neben den inhaltlichen Aspekten spielt auch die finanzielle Förderung eine wichtige Rolle. In Rheinland-Pfalz besteht mit dem sogenannten QualiScheck ein zusätzliches Instrument, das berufliche Weiterbildung unterstützt. Unter bestimmten Voraussetzungen können Teilnehmende einen Zuschuss zu den Kurskosten erhalten – ein Anreiz, der die Entscheidung für eine Weiterbildung erleichtern kann.
Die Kombination aus Bildungszeit und QualiScheck macht deutlich, dass Weiterbildung politisch gewollt und strukturell unterstützt wird. Sie ist kein Luxus, sondern ein zentraler Baustein für persönliche Entwicklung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit.
Lernen in inspirierender Umgebung
Nicht zuletzt trägt auch der Veranstaltungsort zum besonderen Charakter der Summer School bei. Das Hotel Glockenspitze bietet eine ruhige, konzentrierte Lernumgebung, die gleichzeitig Raum für Austausch und Erholung lässt. Diese Verbindung aus intensiver Weiterbildung und angenehmer Atmosphäre entspricht dem Grundgedanken der Bildungszeit: Lernen soll nicht nur effektiv, sondern auch nachhaltig und motivierend sein.
Ein Gewinn für alle Beteiligten
Ob im Unternehmen, im sozialen Umfeld oder im privaten Leben – Konfliktkompetenz zählt zu den Schlüsselqualifikationen unserer Zeit. Angebote wie hier durch die KVHS Altenkirchen zeigen, wie Bildungszeit konkret genutzt werden kann, um genau diese Fähigkeiten zu stärken.
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet dies eine wertvolle Investition in die eigene Zukunft. Arbeitgeber profitieren von reflektierten, kommunikationsstarken Mitarbeitenden. Und letztlich gewinnt auch die Gesellschaft, wenn Konflikte konstruktiv gelöst und neue Wege des Miteinanders gefunden werden. Kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten können sogar bei der für Bildungszeit zuständigen Stelle eine pauschalisierte Erstattung des Arbeitsentgelts beantragen, das während der Freistellung fortgezahlt wurde.
Interessierte können sich bei der Kreisvolkshochschule Altenkirchen telefonisch unter 02681/812211 oder per E-Mail an kvhs@kreis-ak.de informieren und anmelden.
Teilnehmende und Kursleiter Arthur Trossen (hintere Reihe rechts) bei der Abschlussveranstaltung 2025. Mit neuem Wissen und Resilienz geht es zurück in die Arbeitswelt.
(Bild: Monika Trossen)
